machinewitness

Unabhängig · europäisch · ohne Wertung

Ein unabhängiger Zeuge des maschinenlesbaren Webs in Europa.

Jeden Tag halten wir fest, was europäische Domains Maschinen mitteilen: die Regeln für KI-Crawler und die Vorbehalte, die sie erklären. Diesen Stand versiegeln wir, damit er Jahre später genau so nachweisbar bleibt.

Ein Flugschreiber für einen Teil des Internets, den kaum jemand beobachtet, geführt von einem neutralen Dritten, der schon da war, bevor ein Streit begann.

versiegelte Beobachtungen insgesamt30.892.284
letztes Siegel2026-09-19 (608.731)
VerankerungOpenTimestamps · RFC 3161 · qualified eIDAS
aktiv seit2026-07-22

Wird eine Domain beobachtet? Eine Domain nach der anderen, im Browser gehasht. Keine Suchmaschine und kein Verzeichnis unseres Bestands.

Was wir aufzeichnen

Je mehr Software mit Software spricht, desto mehr veröffentlichen Websites maschinenlesbare Erklärungen, die kein Mensch je zu sehen bekommt: ob ein KI-Unternehmen ihre Inhalte zum Training nutzen darf (robots.txt, ai.txt, TDM-Vorbehalte), welche Werkzeuge ihre KI-Schnittstellen anbieten und mit welcher Kennung die Crawler selbst auftreten. Von alledem zeichnet dieses Archiv derzeit die Nutzungsvorbehalte auf: die vier Erklärungsdateien sowie die Vorbehalts-Header und Meta-Angaben, die die Startseite ausliefert. Maschinenschnittstellen und Crawler-Kennungen sind in der Anlage vorgesehen und werden noch nicht erhoben.

Solche Erklärungen lassen sich jederzeit ändern oder entfernen, ohne dass eine Spur bleibt. Wir rufen Zehntausende europäische Domains auf, speichern genau das, was jede von ihnen ausgeliefert hat, und versiegeln es: die Erklärungsdateien täglich, die Startseite im breiten Ring wöchentlich. Wo die robots.txt einer Domain uns untersagt, eine Datei abzurufen, rufen wir sie nicht ab, und der Datensatz hält genau das fest. Erscheint ein Vorbehalt nur auf der Startseite, ist unser Nachweis wochengenau, nicht tagesgenau. Jahre später beantwortet das Archiv eine einzige Frage: Was hat Domain X am Tag Y ausgeliefert?

Warum das in der Praxis zählt

Nach europäischem Urheberrecht wirkt ein Vorbehalt gegen Text- und Data-Mining nur, wenn er zum maßgeblichen Zeitpunkt maschinenlesbar war (OLG Hamburg, 10. Dezember 2025). Was die robots.txt oder ai.txt einer Domain an einem bestimmten Tag tatsächlich gesagt hat, ist damit häufig genau die Tatsache, an der ein Rechtsstreit hängt. Diese Dateien kann jeder mit Serverzugang ändern oder löschen, ohne dass die frühere Fassung eine Spur hinterlässt. MachineWitness gibt es, damit diese Tatsache nicht vom Gedächtnis oder vom Wohlwollen einer Partei abhängt: ein Rechteinhaber, der sich seine Inhalte vorbehalten hat, ein KI-Unternehmen, das gleichwohl darauf trainiert hat, und ein Gericht, das den Vorwurf zu bewerten hat, können sich auf denselben versiegelten und extern zeitgestempelten Nachweis dessen berufen, was an diesem Tag wirklich ausgeliefert wurde.

Was wir nicht tun

Wir bewerten nicht, erstellen keine Ranglisten, vergeben keine Noten, erheben keine Vorwürfe und beraten nicht. Wir entscheiden nicht, wer recht hat. Wir halten fest, was ausgeliefert wurde, und versiegeln es, mehr nicht.

Ein Zeuge, kein Ermittler. Der Wert des Nachweises liegt gerade darin, dass er keine Seite einnimmt.

Worauf der Nachweis beruht

  1. Rohaufzeichnung. Genau die Bytes, die jeder Server gesendet hat, unverändert gespeichert, zusammen mit den Antwort-Headern und dem Fingerabdruck des TLS-Zertifikats, das dabei vorgelegt wurde. Was ein Datensatz enthält, Feld für Feld.
  2. Tagessiegel. Jeder Tag wird auf einen einzigen kryptographischen Fingerabdruck zusammengeführt (eine Merkle-Wurzel), den ein Dritter aus dem veröffentlichten Nachweis nachrechnen kann.
  3. Externe Verankerung. Der Fingerabdruck jedes Tages wird noch am selben Tag außerhalb unseres Zugriffs hinterlegt: bei einer unabhängigen Zeitstempelstelle nach RFC 3161, die ihren Nachweis sofort zurückgibt, und bei OpenTimestamps, das ihn gebündelt in der Bitcoin-Blockchain verankert. Der aktuelle Stand jedes Ankers.
  4. Qualifizierter EU-Zeitstempel. Seit der Tageswurzel vom 31. Juli 2026 trägt der Fingerabdruck jedes Tages zusätzlich einen qualifizierten elektronischen Zeitstempel nach der eIDAS-Verordnung, ausgestellt von GLOBALTRUST (e-commerce monitoring GmbH, Österreich), einem qualifizierten Vertrauensdiensteanbieter auf der EU-Vertrauensliste. Die neun früheren Wurzeln vom 22. bis 30. Juli 2026 wurden am 31. Juli 2026 gestempelt: für diese Tage belegt der qualifizierte Stempel, dass die Wurzel spätestens zu diesem Datum bestand, während der Tag selbst durch die damals gesetzten Anker nachgewiesen bleibt.
  5. Zweiter unabhängiger Zeuge. Seit dem 4. August 2026 zeichnet ein zweiter Zeuge dieselben Ziele von getrennter Infrastruktur in einem anderen Land auf, unter eigenem Betreiberschlüssel, und versiegelt und verankert seine eigene Tageswurzel. Keine der beiden Maschinen kann auf die andere schreiben. Die vom 22. Juli bis 3. August 2026 versiegelten Tage beruhen allein auf dem ersten Zeugen, und das öffentliche Protokoll weist sie als solche aus. Die beiden Wurzeln sind nicht identisch und sollen es auch nicht sein: jeder Zeuge beobachtet nach eigenem Zeitplan, ihre Aufzeichnungen unterscheiden sich also im Detail. Was sie liefern, sind zwei unabhängig geführte Aufzeichnungen derselben Tage, nicht eine Aufzeichnung in doppelter Ausfertigung.

Wer es führt

MachineWitness wird von Martin Schenk (Martin Schenk S.L., Madrid) gebaut und betrieben. Das Archiv ist so angelegt, dass man sich auf sein Verfahren verlässt und nicht auf seinen Betreiber: alles, was es tut, kann ein Dritter ohne unser Zutun nachvollziehen und überprüfen.

Offenlegung, damit die Neutralität offen beurteilt werden kann: Sollte der Betreiber jemals eine Partei beraten oder vertreten, die sich auf einen MachineWitness-Nachweis stützt, wird diese Beteiligung offengelegt. Das Archiv nimmt in keinem Streit eine Seite ein.

Der öffentliche Nachweis

Die Tagesfingerabdrücke und das Verfahren zu ihrer Überprüfung sind öffentlich und dauerhaft. Ein Sachverständiger kann die gesamte Kette ohne unser Zutun aus stabilen URLs nachvollziehen.

Was wir über eine Domain speichern · Wird eine Domain beobachtet? · Glossar der Beweisbegriffe · Öffentliches Wurzelprotokoll

Was die öffentlichen Seiten nie zeigen, ist der Inhalt selbst. Was eine Domain an einem bestimmten Tag tatsächlich ausgeliefert hat, geben wir als Beweisauszug heraus, auf Anfrage und gegen ein veröffentlichtes Entgelt. Eine noch nicht beobachtete Domain kann auf Antrag aufgenommen werden. Beide Leistungen und ihre Entgelte stehen auf einer Seite. Die Auskunft, ob eine Domain überhaupt beobachtet wird, und das Lesen des versiegelten Protokolls kosten nichts und brauchen kein Konto.

Wir antworten auf Deutsch, Englisch oder Spanisch.

Diese Seite ist eine Übersetzung. Maßgeblich für den Inhalt ist die englische Fassung; für die Rechtstexte gilt die spanische Fassung.